22. Juli 2021

Die biometrische Karte als Mischung aus Plastik und Digitalisierung

Elektronisches Bezahlen im Handel über kontaktlose Verfahren erfreut sich (auch im Hinblick auf Hygiene- Standards aufgrund von COVID-19) immer größerer Beliebt- heit. Biometrische Kontaktloskarten sollen für besonders sichere Transaktionen sorgen und haben daneben auch weitere Vorteile gegenüber herkömmlichen Karten.

Mit einer biometrischen Karte profitiert man gleich doppelt: Zum einen gibt sie dem Bezahler den Komfort des kontakt- losen Bezahlens und zum anderen steht sie für das hohe Sicherheitsniveau mit einer starken Authentifizierung. Diese starke Authentifizierung funktioniert indem der Nutzer den in die Karte eingebetteten Fingerabdruckleser berührt. Dadurch wird der Vergleich mit dem ursprünglich registrierten Fingerabdruck des Kartenbesitzers aktiviert, der sicher und ausschließlich auf der Karte gespeichert ist. Das Ergebnis des Abgleichs in Form einer Bestätigung oder die Ablehnung wird anschließend via Funk an das Kassenterminal gesendet und gibt den Bezahlvorgang frei – oder lehnt ihn ab.

Die Vorteile einer biometrischen Karte liegen auf der Hand

  1. Sicherheit und Datenschutz: Die gespeicherten biometrischen Daten verlassen niemals die eigene Karte. Sie werden an kein externes System übertragen und in keiner zentralen Datenbank gespeichert. Niemand außer dem Eigentümer selbst kann damit Bezahlvorgänge autorisieren.
  2. Erhöhter Komfort: Der Bezahlvorgang gestaltet sich schnell und unkompliziert. Die Nutzer müssen keinen PIN eintippen oder eine Unterschrift hinterlassen. Es fallen dieselben Handgriffe an wie bei „normalen“ kontaktlosen Karten, die bereits zur Gewohnheit geworden sind.
  3. Befreiung von restriktiven Transaktionslimits: Die Bezahlung mit herkömmlichen Kontaktloskarten unterliegt üblicherweise Limits. Dies ist bei biometrischen Bezahlkarten nicht notwendig. Durch ihr hohes Sicherheitsniveau sind keine Einschränkungen erforderlich. Gleichwohl sind natürlich auch hier die Vergabe von Limiten möglich.
  4. Erweiterter Hygiene-Standard: Inhaber haben nur physischen Kontakt mit ihrer eigenen Karte. Fremde PIN-Pads oder Touchscreens müssen nicht berührt werden. In Zeiten mit erhöhten Anforderungen an Hygiene ist das eine äußerst attraktive Option.
  5. Universelle Anwendbarkeit: Die biometrischen Karten funktionieren mit allen Kassen-Lesegeräten, die für kontaktloses Bezahlen geeignet sind und Near Field Communication (NFC) unterstützen. Dies trifft auf die überwiegende Mehrheit der weltweit vorhandenen Lesegeräte zu. Flächendeckend sollen Kassen-Lesegeräte bis 2023 mit den notwendigen Funktionen ausgestattet sein.

Auch wenn die Vorteile auf den ersten Blick attraktiv sind, sollten folgende Punkte nicht ausser Acht gelassen werden:

  • Inwiefern sich die biometrische Karte aufgrund der bereits vorhandenen und stetig weiterentwickelnden Lösungen auf Basis von mobilen Endgeräten (Smartphones, etc.) durchsetzen wird, ist derzeit nicht vorherzusagen und bleibt abzuwarten.
  • Auch wird sich in der Praxis zeigen, wie alltagstauglich die biometrische Karte sein wird, denn „Störungen“ von biometrischen Merkmalen wie Schwielen, Verletzungen oder Ähnliches können den Fingerabdruck-Scanner vor Schwierigkeiten stellen.
  • Biometrische Daten werden als sehr persönlich empfunden und schon die Registrierung eines Finger- abdrucks auf einer Karte kann als Eingriff in die Privatsphäre wahrgenommen werden. Allerdings kann man annehmen, dass die Hemmschwelle hier niedriger ist, da Smartphone-Hersteller diese Technologie schon in der breiten Masse eingeführt haben.
  • Die Herstellung einer Karte mit Fingerandruck-Scanfunktion ist im Vergleich zu einer Karte mit PIN wahr- scheinlich teurer. Ob die Zusatz-Kosten von Banken oder Kunden getragen werden, bleibt abzuwarten.
  • Bei einem Verlust der Karte wird eine Ersatzbeschaffung vermutlich länger dauern als eine reine Neubestellung einer Karte mit PIN.
  • Theoretisch können Fingerabdrücke „gestohlen“ werden. So ist es beispielsweise möglich, diese von der Kaffeetasse des Benutzers zu kopieren. Dies erfordert aber viel kriminelle Energie und ist für den Dieb vermutlich nicht rentabel, da Aufwand und Nutzen in keinem Verhältnis zueinanderstehen.

Welches Fazit können wir aus diesem Gedankenspiel ziehen?

Heutzutage geht kaum noch jemand ohne Smartphone aus dem Haus. Auf diesem befindet sich dann bei den digital-affinen Kunden eine oder mehrere Bezahl-Apps, bspw. die „Mobile-bezahlen-App“ der Sparkassen.

Bei all diesen Apps kann man auch heute schon Zahlungen mit seinem Fingerprint freigeben. Daher wird die biometrische Karte vermutlich eher ein Nischenprodukt für Leute, die das Smartphone nicht in dem Maße nutzen oder generell lieber noch mit einer Karte bezahlen möchten. Für diese bietet die Authentifizierung mittels Fingerprint jedoch einen Sicherheitsvorteil ggü. der PIN, den man sich dann auch nicht mehr zu merken braucht.

 

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Quellen:

https://www.gi-de.com/en/spotlight/payment/how-biometric-payment-cards-benefit-banks

https://www.it-finanzmagazin.de/biometrische-kontaktloskarten-koennten-bald-der-neue-standard-sein-116683/

https://www.it-daily.net/it-management/e-business/26932-werden-biometrische-zahlungskarten-der-neue-standard

https://omnisecure.berlin/warum-biometrische-kontaktloskarten-bald-der-neue-standard-sein-werden/

https://www.sberbankdirect.de/de/aktuelles/wie-sicher-ist-die-biometrische-Nutzererkennung

https://www.datenwache.de/biometrie/

https://www.computerweekly.com/de/tipp/Biometrische-Authentifizierung-Methoden-Systeme-und-praktische-Umsetzung